Vorwort zum Shiny Toys Festival 2016

Zum zweiten Mal nimmt das obskure Kleinstlabel Ana Ott am Kuratorium des Shinytoys Festivals teil. Die Verbindung der beiden Spielplätze feiern wir mit der Veröffentlichung einer audiovisuellen Schallplatte der Shiny Toys-Stammgäste Sculpture. Das Duo Hayhurst/Sutherland steht wie wohl niemand sonst für eine grenzenverachtende Melange aus analog und digital, aus audio und visuell. Ihre Kunst nutzt Techniken aus der Vorzeit des Kinos ohne Rücksicht auf die vom Hersteller intendierte Funktion eines Plattenspielers, einer Videokamera oder eines Stroboskops.

Dem Impetus des Festivals, in solch spielerischen Modifikationen jener philosophischen Spielzeuge, denen die Convention ihren Namen verdankt, neue erhellende Effekte zu erzielen, ist eine Kritik der Kulturindustrie inhärent, die auch bei vielen Ana Ott-Musikern – mal bewusst, mal unbewusst – eine Rolle spielt. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn im vermeintlichen Missbrauch von Musikinstrumenten zur Geräuscherzeugung einerseits und historischer Bürokommunikation zur Erschaffung von Copy Art andererseits, die Werkzeuge der warenproduzierenden Gesellschaft als künstlerische Ausdrucksmittel zweckentfremdet werden. Das Kunstwerk in Zeiten des Remixes und der Fotokopie wird von Punks aller Couleur schon seit Jahrzehnten als Gelegenheit nicht nur zur Partizipation, sondern zur subversiven Neubesetzung der Begriffe genutzt.

Im Makroscope, der ganzjährigen Brutstätte des Festivals, ist diese Kritik als widerspenstige Praxis zu beobachten. In unserer fortlaufenden Konzertserie für avantgardistische Abenteuer ebenso wie im USEum für Kunst und Technik der Fotokopie. Die Grenzen zwischen Künstler und Konsument sind verschwommen, im Idealfall gibt es sie gar nicht mehr. Der britische Blogger Rob Hayler hat dafür den Begriff des No Audience Underground erfunden: Alle im Publikum sind selbst in irgendeiner Weise in der Szene aktiv – als Musiker, Promoter, Künstler, Blogger oder Label-Betreiber. Sind sie es noch nicht, können sie es durch die barrierefreie Infrastruktur leicht werden.

Das alles, oder auch nur ein rauschhafter Abend voll verrückter audiovisueller Umdeutungen, kann das SHINY TOYS Festival 2016 sein. Viel Vergnügen!